12. Das Unbewegte – die Quelle aller Bewegung

Das Unbewegte ist die Quelle aller Bewegung.
Unser Leben gerät ins Stocken, wenn wir uns mit unserem niederen Verstand, dem Ego und der äußeren Welt der Dinge identifizieren. Der Mensch steckt im Drama der Erfüllung seiner eigenen Konzepte, Meinungen und Glaubenssätze fest, welche er aus eigener Erfahrung und auch durch andere Menschen (Gesellschaft, Fernsehen, Eltern, Lehrer, Kultur, Religion) vermittelt bekommen hat.

Bestimmte Gefühle wie Niedergeschlagenheit, Hilflosigkeit oder Hoffnungslosigkeit sind mögliche Indikatoren für eine solche Stockung. Sie wollen dich darauf aufmerksam machen, deine Ausrichtung auf Ego-Ziele loszulassen. Das gelingt, indem du aufhörst, etwas sein oder werden zu wollen oder etwas haben zu müssen. Du kannst im Leben nichts erreichen, das ist eine Illusion des kollektiven westlichen Denkens. Etwas erreichen zu wollen – seien es auch noch so edle Ziele wie Wahrhaftigkeit, Liebe oder Präsenz – lässt dich in dem Glauben, von eben diesen Dingen getrennt zu sein. Du kannst die bedingungslose Liebe, das Licht des göttlichen Urquells nicht erreichen: Du bist untrennbar damit verbunden und gehst aus ihm hervor.

Genau das ist es aber, was du in Wahrheit suchst. Dein Leben oder dein Vorhaben gerät ins Stocken, damit dir das bewusst wird.

Aus Lust und Freude kann man Wissen anhäufen, besondere Fertigkeiten erwerben oder berufliche Positionen beziehen. Aus Freude am Spiel und der Erfahrung kann man materielle Dinge benützen. Meistens tun wir das aber aus der Illusion des Egoverstandes heraus. Wir sind auf der Suche nach Glück und Zufriedenheit im Außen, indem wir Anerkennung und Zuwendung bringenden Selbst- und Fremdbildern nachlaufen.

Dann hilft uns die Stockung, uns auf unser wahres Selbst zu besinnen und unsere Identifikation mit dem Egoverstand, welcher ständig auf uns einredet, zu erkennen.

Das Erkennen alleine reicht schon, um den Wandel herbeizuführen. Allzu gerne öffnen wir dem Ego die Hintertür, indem wir aus dem Zulassen des Lebensflusses von innen heraus ein neues Konzept machen. Das hört sich dann etwa so an: „Ich muss jetzt loslassen und an meiner Leichtigkeit arbeiten …“

Du kannst jetzt nichts weiter „tun“, als das, was sich genau jetzt im Augenblick zeigt, zu beobachten und wirken zu lassen. Jedoch ohne zu reagieren – also ohne etwas dagegen oder dafür zu tun.“ Du lässt dich mit allem, was du gerade bist, mit allem, was dich gerade jetzt ausmacht, einfach nur sein. Nimm die möglichen Emotionen und Gefühle wahr, die durch echte Hingabe und Zulassen auftauchen (Schuldgefühle, Hilflosigkeit, Aussichtslosigkeit, Wut, Trauer, Niedergeschlagenheit, Machtlosigkeit, Stolz, Angst) – aber tue es, ohne eine Geschichte oder Person damit in Verbindung zu bringen. Einfach so.

Dadurch erfährst du eine Transformation, die deine wahre Größe durchscheinen lässt. Du kannst deine Masken fallen lassen, denn du beginnst zu erkennen, dass deine wahre Schönheit viel heller und strahlender ist, als deine Masken es je sein könnten. Du tauchst ein in das Wunder vom Mysterium des Lebens – lass dich von ihm tragen und leiten.

Die Wandlungslinien

  1. Du wirst auf Glaubenssätze und innere Dialoge hingewiesen, die dich am Glück und Gelingen hindern. Du bist jetzt in der Lage, diese zu erkennen und sein zu lassen.

  2. Dein Leiden kann sich nun direkt und ohne Umwege in Freude wandeln, indem du dich der spirituellen Kraft der Geduld bedienst. Achte auf Selbstmitleid oder Selbstgerechtigkeit in dir, sie bringen dich ins Stocken.

  3. Schuld- und Schamgefühle lassen dich Dinge tun, die deinem wahren Selbst und deiner aktuellen Wirklichkeit nicht mehr entsprechen. Sie können sehr subtil der Motor für dein Handeln sein. Achtsamkeit hilft dir zu erkennen, wann du Dinge tust oder mit dir tun lässt, die dir nicht oder nicht mehr entsprechen.

  4. Wer sich der Stimme seines inneren Selbst hingibt, kommt in den Lebensfluss. Du gerätst ins Stocken, wenn du auf die Meinung anderer hörst, seien es nun Gurus oder Egokonzepte.

  5. Du bist grundsätzlich am richtigen Weg. Ins Stocken gerätst du nur, wenn du dem ständigen Zweifeln, Zaudern und Zögern, das unablässig vom niederen Verstand vorgetragen wird, Gehör schenkst.

  6. Du kommst in Fluss, weil du dich wieder deiner inneren Wahrheit zuwendest. Möglicherweise kannst du diesen Umstand – im Außen – noch nicht erkennen. Du darfst aber darauf vertrauen. Denn der Wandel beginnt im Augenblick, auch wenn er sich erst später auswirkt und sichtbar wird.