13. Abhängigkeiten lösen

Gemeinschaft mit anderen Menschen ist auf Dauer nur dann freudvoll, wenn sie frei von Zwängen, Machtausübung, Besitzergreifung und Abhängigkeiten – also Ego-Beziehungen – ist. Deine momentane Situation ermöglicht dir, aus dem Glauben auszusteigen, zu brauchen oder gebraucht zu werden.

Das gilt für jede zwischenmenschliche Beziehung, egal ob es sich um familiäre, berufliche, freundschaftliche, nachbarliche oder andere Beziehungen handelt. Es ist eine Illusion zu glauben, wir würden andere Menschen benötigen oder von ihnen gebraucht werden. Weder können wir andere – noch sie uns – glücklich oder unglücklich machen. All das beginnst du nun zu erkennen. Vor allem die Beziehung zu deinem eigenen, wahren, inneren Selbst kannst du nun immer mehr wahrnehmen, da du dich von deinem sorgenvollen, bedürftigen Egoverstand de-identifizierst.

Deutlich zeigen sich Abhängigkeiten im Berufsleben. Wir tun Dinge, die uns nicht entsprechen, aus Angst, unseren Arbeitsplatz zu verlieren, also unserer Existenzgrundlage beraubt zu werden. Manchmal lassen uns Symptome wie beispielsweise ein Burnout aufwachen: Wir können das, was wir geglaubt haben, unbedingt tun zu müssen, gar nicht mehr tun. Wir werden zum Loslassen „gezwungen“. Dann müssen wir uns dem Lebensfluss hingeben. Plötzlich tun sich Möglichkeiten auf, die wir vorher, aufgrund der Existenzangst, nicht sehen konnten.

Ein weiteres Beispiel sind Liebesbeziehungen. Im Verliebt-Sein erfahren wir unsere wahre Größe und Schönheit – durch die Augen des anderen. Das ist Glückseligkeit auf höchstem Niveau. Doch meist verfallen wir der Illusion, den anderen für diese Glückseligkeit zu brauchen. Wir erkennen noch nicht, dass sie unserem wahren Selbst entspringt. Schon sehen wir uns in der Abhängigkeit. Das Ego beginnt sich einzuschalten und das Glück vom anderen einzufordern. Wir verbiegen uns und unsere innere Wahrheit, um „geliebt“ zu werden, oder versuchen den anderen zu verändern. Das ist der Beginn eines Beziehungsdramas.

Besonders drastisch zeigen sich Abhängigkeiten in Eltern-Kind-Beziehungen. Doch selbst da, wo es ganz klar scheint, dass uns unsere Kinder brauchen, ist das wohl nur eine weitere Illusion. Wahrscheinlich kennst auch du Menschen, die ein freudvolles Leben führen, obwohl ein oder sogar beide Elternteile sie in früher Kindheit verlassen haben.

Du bist nun bereit, deine vermeintlichen Abhängigkeiten zu erkennen und zu lösen. Begegnungen aus Freude sind nun möglich. Du kannst offen für das wahre Selbst eines Menschen sein, da du dich auch deinem wahren Selbst zu öffnen beginnst. Wenn sich Ego-Muster zeigen, erkennst du diese immer öfter als solche und kannst sie beobachten, bis sie sich wandeln.

Die Wandlungslinien

In den Wandlungslinien steht das Wort Beziehung für alle zwischenmenschlichen Beziehungen, ob familiär, beruflich oder privat.

  1. Wahre Liebe ist ein Geschenk, das ständig und unablässig zu uns, durch uns hindurch und weiter in die Welt fließt. Sie ist bedingungslos. Du brauchst nicht nach ihr streben oder sie einfordern, denn sie ist immer da. Wahre Liebe lässt los, was sie am meisten liebt. Wahre Liebe lässt dich so sein, wie du bist, und andere so, wie sie sind. Du kannst diese Liebe nun immer mehr wahrnehmen und für dich und andere fließen lassen.

  2. Erst wenn wir in Beziehung zu unserem innersten Selbst stehen, können wir fruchtbare und freudvolle Beziehungen zu anderen Menschen eingehen. Du stellst dann weder dich über andere noch andere über dich. Du verbiegst dich nicht mehr für andere und forderst dies auch nicht mehr von anderen ein. Wenn du die wahre Liebe für dich entdeckt hast, setzt du ganz automatisch und ohne viel Aufhebens darum zu machen, in Liebe dem Grenzen, was deinem wahren Selbst, deinem Lebensfluss, nicht oder nicht mehr entspricht.

  3. Misstrauen und Zweifel an der Integrität anderer Menschen oder der Menschheit generell – somit auch an deiner eigenen Integrität – hindern dich daran, lebendige Beziehungen einzugehen. Das Ego-Denken wartet in deinen Beziehungen nur darauf, dass der andere einen „Fehler“ begeht, und erhält so fortwährend den Beweis für die Richtigkeit dieses oft sehr subtilen Misstrauens. Du bist nun bereit, Misstrauen und Zweifel loszulassen, Beziehungen aus dem Herzen heraus einzugehen und dich und andere in vollem Umfang anzunehmen.

  4. Dogmatische Geisteshaltungen und Konzepte haben dich eingehüllt. Du glaubst genau zu wissen, was richtig und falsch ist. Es gelingt dir nun, diese Haltungen zu erkennen und loszulassen, damit du in die Beziehung zu deinem inneren Selbst und somit in den Lebensfluss eintauchen kannst. Das ermöglicht naturgemäß freudvolle, lebendige Beziehungen, die nicht mehr in das Korsett deiner Ego-Haltung gepresst werden müssen.

  5. Du bist in einer Beziehung, in der die Liebe – möglicherweise nur dem Anschein nach – ins Stocken gerät, weil du glaubst, Liebe mit Bemühen geben zu müssen, anstatt nur Kanal dafür zu sein. Die aktuelle Situation will dich darauf aufmerksam machen, dass Liebe ein Geschenk ist. Sie ist immer da und du brauchst sie nur durch dich fließen zu lassen.

  6. Du lebst in einer Beziehung, in der den einzelnen Partnern bestimmte Rollen – von uns selbst, von der Gesellschaft, von der Religion – zugeordnet sind. Solche Rollen behindern unsere Beziehung zu unserem wahren Selbst und unsere Entwicklung. Erkenne deine Rolle – und schon ist sie losgelassen und die Beziehung wird frei und lebendig.