15. Die Masken fallen

Der bescheidene Mensch (an)erkennt das Göttliche in allem.

Er kennt seinen Platz als einzigartiger und dabei gleichwertiger Teil der Schöpfung. Nichts erhöht oder erniedrigt er, nichts erhöht oder erniedrigt ihn. Sein Leben sieht er als Geschenk, das er mit tiefer Dankbarkeit annimmt. Er weiß um den ständigen Beistand des bedingungslos liebenden, schöpferischen Urquells. Er weiß, dass er nichts werden muss, sondern bereits alles ist. Keine Eiche wünscht sich eine Tanne zu sein, kein Fisch möchte eine Katze werden. Kein Reh würde seiner Herde fernbleiben, nur weil es einmal ein zerzaustes, schmutziges Fell hat. Jeder Stein, jede Pflanze, jedes Tier – jeder Teil der Schöpfung (an)erkennt seinen Platz und nimmt diesen ganz selbstverständlich ein.

Die einzige Ausnahme bildet der niedere Verstand, das Ego-Denken des Menschen. Er läuft selbst- oder fremdproduzierten Selbstbildern nach und stemmt sich damit gegen den Lebensfluss, weil er das Göttliche weder in sich noch in allem anderen (an)erkennt. Daraus erst entstehen Probleme, die er versucht in den Griff zu bekommen. Durch dieses Einschreiten und den Wunsch nach Kontrolle führt er den Menschen immer mehr in Verstrickungen und Dramen, bis der Mensch im Kampf mit sich selbst, seinem Umfeld und seinem Leben steht.

Der Segen, der sich darin verbirgt: Es bietet dem Menschen die Möglichkeit, aus dieser Illusion, aus diesem Tiefschlaf aufzuwachen und ein neues Bewusstsein entstehen zu lassen. Viel weiter, tiefer und erfüllender, als es vor der Reise durch die Welt des Zauderns, Zweifelns und Zwiespalts je möglich gewesen wäre.

Du bist nun bereit, Selbstbilder loszulassen, um dein wahres Selbst zu leben. Alle Selbstbilder, die du festhältst oder denen du nachläufst, haben ihren Ursprung in jener Geisteshaltung, die dich glauben lässt, dass aus dir etwas anderes werden soll, als du bist, dass du etwas aus dir machen musst.

Du bist bereit zu erkennen, dass du schon alles bist und nichts mehr werden musst. Das bedeutet aber keineswegs Untätigkeit. Du hörst nur auf, nach etwas zu streben. Du tust nicht mehr, sondern aus dir heraus wird getan. Du wirst zum aktiven Gestalter deines Lebens, indem du das Leben sich aus dir heraus entfalten lässt. Daraus entsteht ein lebendiges, leichtes und freudvolles Dasein im Einklang mit deiner wahren Natur, und somit mit allem.

Die Wandlungslinien

  1. Der auf natürliche Weise bescheidene Mensch hat in allen seinen Unternehmungen Erfolg. Wenn du diesem Bild des bescheidenen Menschen nachstrebst, wird sich kein Erfolg einstellen – denn beim Streben danach, evtuell um des Erfolges willen?, kann es sich nicht um die natürliche, uns allen innewohnende Bescheidenheit handeln. Dies will dir deine momentane Lebenssituation vermitteln.

  2. Du kannst nun wahrhaftige Bescheidenheit leben und dich von falscher Bescheidenheit lösen.

  3. Wenn du nicht im Einklang mit deinem wahren Selbst bist, bist du deinen Geisteshaltungen ausgeliefert. Deine aktuelle Lebenslage ist kein Zufall oder Schicksal, sie will dich auf diesen Umstand aufmerksam machen. Wahrer Erfolg bleibt aus, wenn du glaubst, ihn aus eigenem Willen hervorbringen und produzieren zu können. Um wieder in den Lebensfluss einzutauchen, lasse nun diese Überheblichkeit los, besinne dich auf deine wahre Bescheidenheit und bringe deinen Willen mit dem inneren Selbst in Einklang.

  4. Aus Bescheidenheit heraus zu handeln bedeutet, aus der inneren Wahrheit heraus zu handeln – nicht um etwas zu erreichen oder zu bekommen, sondern absichtslos.

  5. Aus der inneren Wahrheit zu handeln bedeutet, in Bescheidenheit zu handeln. Auch wenn das zur Folge hat, aus bestehenden Glaubens- und Wertesystemen oder kollektiven Geisteshaltungen auszubrechen. Unbescheiden ist, wer anderen seine Wahrheit aufzwingen will, etwa im Streit. Wenn du aus dem Inneren heraus handelst, tust du das, weil es sich innerlich richtig anfühlt. Du brauchst keine Erklärungen, Rechtfertigungen oder Begründungen für dein Verhalten. Die einzige dir mögliche Erklärung ist, dass du im Sinne deines Herzens, deines inneren Fühlens handelst.

  6. Du bist durch dein Anliegen aufgefordert, zur wahren inneren Bescheidenheit zurückzukehren. Erkenne deine Selbstbilder und Geisteshaltungen und lasse sie los – Leichtigkeit stellt sich ein.