29. Dahingleitender Fluss
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In deiner gegenwärtigen Lebenslage kannst du deine Meisterschaft des inneren Weges zeigen. Du bist gerade noch mehr Meister darin geworden, nicht mehr zu reagieren und in deiner Mitte, in deiner Stille zu bleiben. Du hast deine innere Wahrheit kennengelernt und dich im Vertrauen verankert.
In der Situation, in der du dich befindest, magst du den Druck des Egos verspüren, handeln zu müssen, reagieren zu wollen, einen Plan erstellen zu sollen. Doch nichts davon ist angezeigt. Wärst du ein Ertrinkender im Sumpf, würde jede Bewegung, jedes Tun dein Sinken beschleunigen. Stell dir deine Lage als Schlucht vor: Du bist der Wasserfall, der in die Schlucht fällt. Sei dir gewiss, du wirst aus der Schlucht herauskommen, auch wenn es sich mal staut. Nimm den Stau, den Druck wahr. Wo zeigt sich das gerade in deinem Körper? Du weißt, du bist nicht der Druck. Du bist und bleibst das Licht. Der Stau verhilft dir, das zu erkennen. So kannst du auch gewiss sein, dass du, wie das Wasser, deinen Weg aus der Schlucht finden wirst. Kämpfe nicht gegen den Moment an, lass ihn sein, wie er nun einmal ist – und wieder bist du im Jetzt angekommen. Du siehst, es macht wenig Sinn zu überlegen, was dich in diese Lage gebracht hat, noch sind Vorsorgen oder Erwartungen – an dich oder an andere – angesagt.
Auch wenn es gerade keine sichtbaren Erfolge, kein messbares Vorankommen gibt, liegt das wahre Vorankommen darin, jedem neuen Moment die volle Aufmerksamkeit zu schenken und damit seine Perfektion zu erkennen.
Die Wandlungslinien
Solltest du dich daran gewöhnt haben, vor allem das Dunkle in dir und den anderen zu sehen, besinne dich, wie einfach es ist, dein Licht und das Licht im anderen zu sehen. Du willst schon große Schritte machen. Aber deine unangenehmen Gefühle wollen dich darauf hinweisen, dich wieder mit deinem wahren Selbst zu verbinden. Die Verbindung entsteht in dem Moment, in dem du deine Aufmerksamkeit auf den Augenblick lenkst.
Beharrlichkeit ist dein Begleiter. Vielleicht erscheint dir dein Weg so lang, dass es sinnvoll ist, dir Zwischenziele zu setzen. Dann wird das Ego von kleinen Erfolgen genährt und lässt dein eigentliches Sein in Ruhe. So kannst du bestimmt voranschreiten.
Hingabe stellt sich ein. Dein Ego erkennt, dass nicht sein Wille geschieht. Du schwimmst im Fluss des Lebens und weißt: „Dein Wille geschehe!“ Je weniger du reagierst oder planst, je mehr du einer vermeintlichen Lösung aus dem Weg gehst, desto eher manifestiert sich eine ungeahnte Lösung. Da in der Hingabe eine unbekannte Variable die Gleichung ergänzt, können sich unglaubliche Ergebnisse einstellen.
Du beginnst wieder Licht zu sehen, in dir, in deiner Situation, in Mitmenschen. Bleib dabei und du wirst staunen, wie das Licht sich ausbreitet und alles umhüllt, alles durchdringt und dem Wasser gleich seinen Weg findet: sanft, leicht, beständig.
Jetzt kannst du erkennen, dass dein Ego dir Druck macht. Du erkennst es an Ehrgeiz, Neid, Ungeduld oder Kampf. Das Erkennen reicht, um zu sehen, dass die Erntezeit noch nicht gekommen ist, da gerade erst gesät wird. Also hör auf, den Samen anzuflehen zu wachsen. Im Frühling wird er ohnehin austreiben.
Nutze die Möglichkeit, die dir deine vermeintlich missliche Lage bietet. Du kannst aus dem Kampf aussteigen. Zieh die Rüstung aus, stecke dein Schwert weg. Es gibt nichts mehr zu tun, außer die Verstrickung zu sehen, die dich zum Nichtstun zwingt.